Brachyzephalie bei Hunden – wenn Niedlichkeit krank macht

Brachycephale, plattnasige Hunderassen wie Mops, Französische oder Englische Bulldogge sind in der Werbung, sozialen Netzwerken und unseren Städten kaum zu übersehen. Ihre runde Kopfform, die großen runden Augen und ihre kompakte Statur wirken charmant, witzig und liebenswert. Doch das Kindchenschema, das wir so an ihnen schätzen, hat für die betroffenen Tiere einen hohen Preis: ihre Gesundheit.

Was bedeutet „Brachyzephalie“?

Das sogenannte Brachyzephale Syndrom (auch „Kurzköpfigkeit“) ist eine zuchtbedingte Fehlbildung des Kopfes, die durch gezielte Selektion auf ein bestimmtes Aussehen entstanden ist. Sie betrifft nicht nur die knöchernen Strukturen des Schädels, sondern auch Knorpel- und Weichteilgewebe.

 
Typische anatomische Veränderungen sind:
 
  • stark verengte Nasenlöcher (Naresstenose)
  • absolut zu kleine Nasenhöhle durch relativ zu große Nasenmuscheln, wodurch es kaum Luftspalten in der Nase gibt
  • enger Nasenrachenraum (Nasopharynx)
  • verlängertes und verdicktes Gaumensegel (Hypertrophie des weichen Gaumens)
  • zu weiche Kehlkopfknorpel und einengende Schleimhaut im Bereich der Stimmritze
  • kollabierende oder deformierte Luftröhre
  •  Gehörgangsverengungen und Mittelohrfüllungen infolge der Fehlbildungen und mangelhafter Funktionalität

Welche Folgen hat Brachyzephalie für betroffene Hunde?

Die Symptome können anfangs mild sein, verschlimmern sich jedoch meist im Laufe der Zeit. Viele dieser Hunde kämpfen täglich um Luft – ein Dauerzustand, der die Lebensqualität massiv einschränkt.
Neben der erschwerten Atmung treten bei diesen Rassen häufig weitere gesundheitliche Probleme auf:

  • Wirbelsäulendeformationen, die zu Schmerzen und Lähmungen führen können
  • Hautprobleme und Allergien
  • erhöhte Tumoranfälligkeit
  • Gelenkerkrankungen wie Hüft- und Ellbogendysplasie
  • Augen- und Zahnprobleme aufgrund der Kopfform
Diese Kombination zahlreicher Erkrankungen macht deutlich:
Das „niedliche“ äußere Erscheinungsbild steht in keinem Verhältnis zum Leiden der Tiere. Jeden Tag.

Verantwortung gegenüber brachyzephalen Rassen

So beliebt sie auch sind – die Zucht und Vermehrung brachyzephaler Rassen ist aus ethischer Sicht hochgradig problematisch und tierschutzrechtlich absolut kritisch zu bewerten.  Das betroffenen Tiere als Individuum hat dennoch ein Recht auf Hilfe und Lebensqualität.

 

Ziel ist es, das individuelle Leiden zu lindern und die Atmung zu verbessern. Eine chirurgische Korrektur kann in vielen Fällen deutliche Erleichterung bringen.

 

Wie hilft die Multilevel-Chirurgie?

Da die Fehlbildungen oft mehrere Strukturen gleichzeitig betreffen, ist eine umfassende Diagnostik und komplexe chirurgische Behandlung („Multilevel-Chirurgie“) notwendig.
Diese umfasst:

 
  1. Eine gründliche klinische Untersuchung des wachen Hundes
  2. Eine weiterführende Diagnostik unter Narkose (Computertomografie und Endoskopie)
  3. Eine individuell angepasste Kombination mehrerer Operationsschritte, die den Luftstrom verbessern

Fazit

Das Brachyzephale Syndrom ist keine Kleinigkeit – es ist hochkomplex und lebensbedrohlich für die Patienten. 
Im Mitteldeutschen Kompetenzzentrum für Kleintiere in  Leipzig (MKK Leipzig) beraten und behandeln wir individuell und mit höchster Fachkompetenz, um Ihrem Hund zu mehr Lebensqualität zu verhelfen.

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